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SPIRALGARTEN


Vor ein paar Jahren, als ich mich dazu entschloss wieder in meine Heimat zu ziehen, fasste ich den Entschluss, dort auf dem Grundstück meiner Familie einen Gemüsegarten anzulegen.

Ich war damals stark inspiriert von der Heimatverbundenheit der Beduinen. Vor allem die Weisheit des 78 jährigen Familienoberhauptes des Familienclans, bei dem wir uns niederlassen durften, veranlasste mich, die Gegebenheiten meiner Heimat zu schätzen.

Die Wüste ist wohl eine der unwirklichsten Landschaften für den Ackerbau. Dennoch schaffen es ihre Bewohner, diesen kargen Boden mithilfe einfachster Mittel, aber harter Arbeit, fruchtbar zu machen. In unseren Breiten bei regelmäßigem Niederschlag und fruchtbarster Erde ist es sehr naheliegend diese Vorzüge zu nutzen. Hinzu kommt ein Traum, den ich in der Wüste hatte: Ich sah eine Spirale aus blühenden Kräutern und wilden Blumen. Da war für mich klar, nachdem ich für geradlinige Strukturen eh kaum was übrig habe, dass mein Garten eine Spirale sein soll. Eine weitere Bekräftigung für diese Form erhielt ich durch ihr Sinnbild. Sie öffnet sich ins Unendliche und schliesst sich auf einen Punkt. Der Kosmos, in dem wir leben, ist auch eine
riesige Spiralgalaxie. Aus ihrer Energie beziehen wir unsere Kraft. Also ist die Spirale für mich ein Symbol der Energie, die uns schafft.

Beim Durchgehen des Spiralgartens fühle ich mich dieser Kraft besonders nahe und dies gilt nicht nur für mich. Meine Geliebte kann das mit Sicherheit bestätigen. Sie ist auch diejenige, welche durch ihre Inspiration dem Garten seine detailierte Schönheit verleiht. Durch das Anlegen von Querwegen, ausgerichtet nach den Himmelsrichtungen, erhielten wir acht Beete, die Melly (meine Geliebte) durch gezielte Fruchtfolge, im Sinne einer Mischkultur, jedes Jahr abwechlungsreich gestaltet. Sie lässt immer wieder neue Erfahrungen einfließen, um so der Natur möglichst gerecht zu werden. Bis dieser Kosmos das höchstmögliche Eigenleben entwickelt.

Wir versuchen so wenig als möglich Beikraut zu entfernen oder Schädlinge zu bekämpfen, sondern mit anderen, schonenderen Methoden zu arbeiten, um den natürlichen Biokosmos aufrecht zu halten. Dies ist oftmals gar nicht so einfach. Die Natur hat so ihre Tücken. Jedoch muessen Wir lernen, sie zu Verstehen und mit ihr zu arbeiten, nicht gegen sie.

So ein Garten ist Jahr für Jahr eine neue Installation im Freiraum der Natur und mit ihrer Flora und Fauna als Partner, die wohl lehrreichste Erfahrung meines Lebens.